SEIFENGESCHICHTE

Dann beginnen wir mal ganz einfach :
WAS ist SEIFE ?

Grundprinzip: Natronlauge und Fette

Genauer:
Seifen sind wasserlösliche Natrium- oder Kalium-Salze der gesättigten und ungesättigten höheren Fettsäuren.
Aufgrund der gleichzeitig im Molekül vorhandenen stark hydrophilen und lipophilen Gruppen
somit sind Seifen nicht nur wasser- sondern auch fettlöslich.
Seife erniedrigt die Oberflächenspannung des Wassers und bildet Schaum.
Man unterscheidet harte Seifen und weiche Seifen.
Harte Seifen sind Natriumseifen , besitzen feste Konsistenz
und werden als Kern- oder Natronseifen bezeichnet.

Weiche Seifen sind Kaliumseifen , sind von weicher Konsistenz
und werden als Schmier- oder Kaliseifen bezeichnet.


Historisches

Vor 4500 Jahren war es in Babylonien gelungen, Seifen herzustellen .
Aufzeichnungen von Sumerern in Tello / Mesopotamien
(heute: Süd - Irak ), beschreiben
Rezepturen und Herstellungsverfahren.
Diese Tontafel empfiehlt:
1 Liter Öl mit der fünffachen Menge Pottasche zu vermischen und zu kochen. Auch wurden Rezepturen gefunden ,
die Seifen aus Pottasche und Tierfett herstellten.
Pottasche entsteht durch Auswaschungen von Pflanzenasche
in einem großen " POTT "
dadurch entsteht eine Lauge: Kaliumcarbonat.
Tafel mit Keilschrift

Die Verwendung von Seife findet man auch bei anderen alten Kulturen.

Die Seife war schon bekannt.
und diente meist magischen Ritualen, wie Reinigung vor dem Tempelbesuch. In ägyptischen Dokumenten wird berichtet:
Tierische Fette oder pflanzliche Öle wurden mit Soda ( Mineral aus getrockneten Salzseen) vermischt und gekocht.
sie enthielten oft ( für heute anmutende, kuriosen Stoffe ):
Schlangenhaut, Gazellendung, Vogelsehnen, Fliegendreck, Schildkrötenpanzer, Kranichfett, Halbedelsteinpulver und vieles andere mehr. Zur Heilbehandlung wurde Seife auch benutzt:
Viele der damaligen Hautkrankheiten entstanden eigentlich durch Mangel an Körperpflege
und diese Seifen wirkten durch die Reinigungswirkung ---wie eine Art Medizin.
( z.B. gegen Würmer und Gicht )
Die eigentliche Waschkraft der Seifen wurde später erst erkannt.
Wandrelief

Ägyptische Wandbilder zeigen, wie Sklaven die Wäsche mit Keulen schlagen, um sie zu reinigen.


Römische Seifen ( - Salben )
Badehäuser in Rom waren öffentlich.
Die Thermen wurden von Allen besucht...
.. selbst von reichen Römern
die im eigenen Haus ihre Baderäume hatten ..
denn die Thermen dienten nicht nur zur Reinung, des Körpers,
Sondern waren auch Treffpunkt zur Geselligkeit.
Es fanden Glückspiele statt ( z. B. Würfeln)
und auch Geschäfte wurden abgewickelt.

Seifen bestanden aus pulverförmigen Substanzen ..
"Salbe" aus Ziegenfett und Pottasche.
Sie wurde mit Kleien, Bimsteingranulat versetzt....
es war eine Art Schmierseife.
sie wurde auf die gesamte Haut aufgetragen..
und mit einem gekrümmten Schabeeisen wieder heruntergekratzt.
Römerinnen beim Baden
Badenutensilien
Römischer Striegel mit Ölgefäß

Seifensiederzunft
Im 7. Jahrhundert brachten Araber
die Technik des Seifensiedens nach Spanien.
Vor allem Spanien, Italien und später Frankreich besaßen die erforderlichen Rohstoffe.
Oliven dienten als Öllieferant,
die Aschen von Meerespflanzen enthielten Soda.
Durch den Zusatz von Duftstoffen, die aus verschiedenen Pflanzen gewonnen wurden, verfeinerte man in Frankreich die Seifen.
Damit war die Toilettenseife geboren,
die als kosmetische Seifenkugeln an Europas Höfen hochgeschätzt. Lange Zeit war Seife ein kostbarer Luxusartikel
für wenige, wohlhabende Menschen.


Erst im 14. Jahrhundert entstanden in Deutschland (Augsburg) die ersten Seifensiederzünfte.
Gleichzeitig waren Seifensieder auch Kerzenmacher.


Im 15. Jahrhundert fand Körperhygiene
mit Wasser und Seife nicht mehr statt.
Badehäuser und Dampfbäder wurden geschlossen,
die jahrhundertelang zum Alltag gehörten.
Ärzte und Mediziner warnten,
daß Badehäuser schuld an der Pestübertragung wären.
Wasser würde durch die Poren dringen ,
und die Körpersäfte erweichen.
Es "genügte" die Körperwäsche zu wechseln..
Diese hatte dann die Aufgabe
den Körper reinzuhalten sozusagen zu "waschen "..

Dr. Schnabel

Etwa bis zur Jahrhundertwende wurde die Wäsche ( ähnlich wie bei den Sumerern )
noch mit Holzasche gewaschen.

Man füllte sie in Leinensäckchen ab, legte sie in den Waschbottich,
packte die trockene Wäsche hinein und goss von oben heißes Wasser drauf.
Wurde das Wasser zu kalt, dann zapfte man es unten teilweise wieder ab
und erhitzte die Lauge erneut.
Der Begriff "Lauge" stammt von diesem Auslaugen der Holzasche.
Vielfach wurde die Kleinwäsche im großen Topf auf dem Herd gekocht.

Mühsam Zu Beginn unseres Jahrhunderts
war Wäschewaschen reine Handarbeit.

Kochen in Seifenlauge,
bearbeiten der Wäsche auf dem Waschbrett.
Beseitigen hartnäckiger Flecken
mit der Wurzelbürste.
Spülen im Wasser eines Baches-
war eine sehr harte Arbeit .

In den meisten Haushalten
wurde für den Eigenbedarf
Schmierseife selbst hergestellt.
Rohstoffe waren
Pottasche und Rüböl,
Hanföl, Leinöl, Tran und Talg.

Spülen


Durch das Aufkommen der Textilindustrie im 19. Jahrhundert
wurde die Seife zum hohen Bedarfsgut .

Waschen wurde nun modern.
Erst jetzt ( Mitte des 19 Jahrhunderts ) wurde die Seife als Körperhygienemittel angenommen.
Zunächst kamen deshalb die Seifensiedereien mit der Produktion nicht mehr nach.
Die Rohstoffe Talg und Holzasche wurden knapp.
Erst durch die Einfuhr billiger Fettrohstoffe aus tropischen Ländern,
und die Erfindung des preisgünstigen Verfahrens zur Herstellung von Soda,
(die bisher nur aus Pflanzenasche gewonnen werden konnte)
durch Nicolas Leblanc -- Leblanc-Verfahren--
und heute hauptsächlich nach dem-- Solvay-Verfahren--,
kam es wieder zu einer ausreichenden Rohstoffversorgung.

Kurz und bündig:

Leblanc
Statue des Nicolas Leblanc (1742-1806)
Leblanc-Verfahren:

Nicolas Leblanc
entwickelte 1790 ein Verfahren zur Gewinnung
von Natriumcarbonat (Soda).
Dabei wird aus Natriumchlorid
und Schwefelsäure Natriumsulfat hergestellt ,
und dieser mit Kalk und Kohle erhitzt.


Sein Verfahren war einfach und billig.
Er wurde zwar geehrt, aber sein Patent eingezogen.
Seine Fabrik wurde die französische Nationalvesammlung konfiziert. Er bekam die Fabrik zwar durch Napoleon zurück,
fand aber keine Geldgeber um sie wieder zu eröffnen.
Er nahm sich 1806 das Leben.

Ernest Solvay entwickelte ein Verfahren , daß es ermöglichte Soda großtechnisch herzustellen
Solvay-Verfahren:
Hierbei stellt man zunächst durch Einleitung
von Ammoniak und Kohlenstoffdioxid
in eine fast gesättigte Kochsalzlösung,
Ammoniumhydrogencarbonat her.
Dieses setzt sich mit dem Kochsalz,
zum verhältnismäßig schwer löslichen
Natriumhydrogencarbonat um.

Solvay
Ernest SOLVAY 1838- 1922

Waschmaschine Erst durch die Entwicklung der Waschmaschinen
und der modernen Waschmittel wurde das Waschen wesentlich erleichtert.
Die Waschmaschine war eine Sensation.

1907 war das erste Vollwaschmittel auf den Markt gekommen.
Es enthielt neben Seifenpulver Natriumperborat als Bleichmittel
und Natriumsilicat als Stabilisator = PERSIL.
Plakat
Plakat von 1910

Industrietechnische Seifenherstellung
In einer Seifenfabrik wird Pflanzenfett mit Natronlauge (Laugenverfahren)
oder Natriumcarbonat (Carbonatverfahren) verkocht.
Durch überhitzten Wasserdampf in einem riesigen Kessel
werden die Zutaten gesiedet bis nach mehreren Tagen
ein zähflüssiger Seifenleim entstanden ist.
Diesen trocknet man anschließend
und raspelt ihn zu Spänen. ( pellieren)
Aus der geruchlosen Grundseife
(Kernseife oder Basisseife)
entsteht durch den Zusatz von Farb- und Geruchsstoffen
die Feinseife .
Nach dem Kneten und anschliessendem Pressen in Formen
ist sie dann fertig zum Verpacken und zum Versand.
Seifenstrasse

Text
Industrieverfahren
Tabelle


Nun will ich mit dem KREATIVEN Teil beginnen..
( raucht euch schon der Kopf ??)
naja-- ich habe ´mich sogar K U R Z gefasst..*grins*
( auch wenn ihr es nicht glauben wollt..)
Das Thema Seife ist im höchsten Masse interessant, und es hat mich" richtig gepackt" ..
Ich musste sehr selektieren ,um nicht zuuu sehr ins Detail zu gehen.
damit euch vor lauter Info.. die Augen nicht zufallen..


Hier nun meine ersten Seifen:

Maritime Seifen
Seife in Transparentschichten giessen.
Kleine Holzstreuer und event. Glitzer
Kleine, mit "Ozeanfrische" beduftete Gästeseifen
( oder als -Einleger - für größere Seifen )
Trockenblumen in grünlich gefärbte Transparentseifen
Leider verlieren die Lobelien und Viola tricolor
ihre blaue Farbe )
Küchenlorbeerblätter eigenen sich sehr gut
Nur aufpassen.....
sie schwimmen, in der heissen Seifenschicht
schnell nach oben.
ich habe sie mit einem Holzspiess kurz festgedrückt.

Eine grüne Sonnenseife.
Ich giesse gern in mehreren Schichten.
Dadurch bekommt die Seife "optische Tiefe" ( geheimnissvoll )
Fast jede meiner Seifen hat vier bis fünf verschiedene Schichten,
die ich jeweils trocknen lasse:
z.B.:
1. Schicht - Transparentseife mit Duft
2. Schicht - Transparentseife mit Streuer oder andere Einleger
3. Schicht - eingefärbte Transparentseife .. eventuell mit Glitzer
4. Schicht - Opak weiße Seife.
5. Schicht - opak eingefärbte Seife.

Erste Stück ist die von der Trockenblumenseife
das zweite Stück ist von der Leuchtturmseife
das dritte Stück ist von der Sonnenseife.

Ein anderes, sehr einfaches Verfahren ist das Raspeln von Fertigseifen.

Ein Stück Seife wird mit dem Möhrenraspler in Schnitzel geschabt.
(ich schreibe hier keine Mengenangaben..)
Soviel heisses Wasser zu den Raspeln geben ... ..bis durch kneten, ein zäher Brei entsteht.
also.. nach und nach, tropfenweise ...
Danach können beliebige Duftöle zugeben werden.
Aber pro Seifenpartie NIE mehr als drei Düfte.. ( sonst stinkts *zwinker* )
Wenn man keine Farbseifen zum Raspeln genommen hat, kann man mit Lebensmittelfarben einfärben.
aber auch mit Gewürzen wie Kaffeemehl, Paprikapulver, Mandelkleie, Pfefferminzblätter usw.
Statt des heissen Wassers kann man auch starken,grünen Pfefferminztee nehmen
und zusätzlich noch mit Pfefferminzöl beduften.
Danach die Masse zu Kugeln drehen und ca. zwei Wochen trocknen lassen.
sie ist anfangs weich, wird aber dann aushärten, wenn die Flüssigkeit verdunstet ist.

ROSENSEIFE
einige Tropfen Rosenöl
und für die Frische
noch ein wenig Zitronenduftöl
SANDELHOLZSEIFE
da habe ich aus oranger, brauner, weißer Seife
und einer schwarzen Seife "Knödel " gemacht.
Duft: Sandelholzöl und Nelkenöl.
DÜNENGRAS-Seife
Weiße und grüngefärbte Seife.
Duft: "Gras"- mix und Pfefferminzöl.

Viele Seifen- Rezepturen können wir noch ausprobieren ;-)
Einfach mal experimentieren --
VIEL SPASS!